Einleitung
Als ich vor Jahren ein Buch eines Kritikers über „Der Herr der Ringe“ gelesen habe, sprach der Autor von 3 Messiasfiguren, die in Tolkiens Buch vorkommen würden. Meine erste Reaktion war. „So ein Blödsinn, Tolkien wollte ja bewußt keine Allegorien und keine Parallelen zu irgendwelchen Sachen ziehen. Aber je länger ich darüber nachdachte, desto mehr wurde mir klar, daß der Kritiker recht hatte. Inzwischen finde ich diesen Gedanken sogar ziemlich überwältigend…

FrodoBegriffsklärung: Was heißt eigentlich Messias?
Messisas kommt aus dem hebräischen und bedeutet soviel wie „Der Gesalbte“ (auf griechisch: „Christos“). Im Alten Testament der Bibel ist immer wieder die Rede davon, daß bestimmte Menschen gesalbt werden, um sie in ihr Amt einzusetzen. So z.B. Könige, Propheten und Priester (am bekanntesten ist wohl die Salbung von David als Hirtenjungen zum König. Aber immer wieder kommt die Erwartung vom Kommen des einen Gesalbten, dem Messias eben.
Im Neuen Testament bezieht Jesus diese ganzen Prophetien auf sich und seine Nachfolger und die ersten Christen sehen in ihm wirklich den Messias und nennen ihn auch den Christus. Jesus Christus ist dann eben die Kurzform dieses Bekenntnisses: Jesus ist der Christus, der Messias“. Wenn wir also beurteilen wollen, ob im HdR also Messiasfiguren vorkommen, müssen wir sie mit Jesus vergleichen.

Das Leben von Jesus
Jesus ist der Sohn Gottes, wohnte im Himmel bei seinem Vater. Da nun die Welt unter dem Einfluß des Teufels lag und ihrem Verderben entgegenging, verließ Jesus die Herrlichkeit bei Seinem Vater und den Himmel, um die Menschheit und Seine Freunde vom Verderben zu erlösen. Damit sie die Folgen ihres Verderbens nicht tragen mußten, machte Er sich auf den beschwerlichen Weg, nahm strapazen, Leid und Mühe auf sich, um sie vor dem unaufhaltsamen Unheil zu beschützen.

GandalfEr blieb nicht auf Seinem hohen Thron sitzen, ging direkt in den Schmutz dieser Welt, erlebte hautnah die Probleme der Menschen. Er kam nicht als König in einen Palast, sondern lebte das Leben eines armen Menschen, lebte jahrelang auf der „Straße“, nahm am Alltag des einfachen Volks teil, er kümmerte sich um ihre Probleme, heilte ihre Kranken, tröstete die Schwachen und erwies sich als überaus bewandert in den heiligen Schriften. Trotzdem beanspruchte Er niemals die Königskrone, ließ sich nie als König verehren, obwohl Er über Seine Herkunft nie einen Zweifel ließ. Er ließ sich sogar verspotten, demütigen und auspeitschen und blieb dabei demütig. Schließlich ließ er sich grausam umbringen und starb am Kreuz,stieg hinab ins Totenreich und predigte dort den Gefangenen die Freiheit. Doch er blieb nicht tot, sondern er bekam ein neues Leben und einen neuen Leib, stand von den Toten auf. Durch Kreuzestod und Auferstehung besiegte er Sünde, Teufel, Krankheit und den Tod.
Dann verließ Er die Erde und kehrte zurück zu seinem Vater in den Himmel. Er versprach aber allen, die an ihn glauben, daß er jeden Tag bei ihnen sein würde, ganz nah, in ihren täglich Problemen. Immer wieder bezog er sich auch auf die Prophetien von dem Messias, der als König kommen würde und alle seine Feinde besiegen würde. Nach dieser letzten Schlacht würde Er dann alle vereinen und ein Friedensreich regieren.

Die Messiasfiguren konkret:
Frodo
Hier sind die Parallelen nicht soviele, dennoch sehr deutlich: Frodo verläßt das Auenland, um seine Freunde vor dem Bösen zu bewahren, um zu verhindern, daß Sauron das Auenland zerstört. Er geht los, damit die Aufmerksamkeit des Feindes weg vom Auenland auf ihn gerichtet ist. Er nimmt die Bürde auf sich, den Ring zu vernichten und somit Mittelerde zu erlösen…

Gandalf
Auch nicht sehr vielschichtig. Gandalf läßt sein Leben für seine Freunde, um mit dem Balrog (einem Feuerdämon) zu kämpfen. Schlielich besiegt er ihn auch. Dafür büßt er sein Leben ein. (Schon spannend, dass der Ort Moria wo Gandalf stirbt, sehr große Ähnlichkeiten mit dem biblischen Berg Morijah hat, wo Abraham seinen Sohn opfern sollte. Gott hat dies dadurch verhindert, dass er sich um ein Opfertier gekümmert hat, das dann Abraham anstelle von Issak geopfert hat. Was wiederum ein prophetisches Bild auf den stellvertretenden Opfertod von Jesus ist, der an unserer Stelle gestorben ist). Die Valar, quasi die Götter, geben ihm ein neues Leben. Gandalf, der Graue, kommt verändert wieder als Gandalf, der Weiße.
Er hat dadurch eine ganz andere Autorität und kann Saruman bezwingen, dem er vorher unterlegen war.
Gandalf bringt als Weißer Reiter in der Schlacht von Helms Klamm die entscheidende Wendung zum Sieg. Dieser Titel ist wiederum ein Name von Jesus als der wiederkehrende Messias (Offenbarung 19,11).

Aragorn
AragornHier sind die Parallelen schon viel vielschichtiger. Es überrascht mich immer wieder, was ich da noch alles für Parallelen entdecke, obwohl viele vielleicht gar nicht registiert haben, daß er überhaupt eine Messiasfigur ist. Aragorn ist hauptsächlich, der als König wiederkehrende Messias, der die Länder vereint und ein Friedensreich regiert. Nicht umsonst heißt der dritte Band „Die Rückkehr des Königs“.Aber es lassen sich noch eine Vielzahl von kleineren Details entdecken:
Aragorn ist der unscheinbare Streicher, der als Waldläufer durchs Land zieht und schon seit Jahren unbemerkt das Auenland vor feindlichen Angriffen beschützt. Er ist die ganze Zeit als naher Freund mit den Gefährten unterwegs, um ihnen zu helfen, sie zu beratschlagen, ihnen aus der Patsche zu helfen. Er war sogar schon da, als die gaze Ringgemeinschaft noch gar nicht gebildet war. Er kehrt zunächst in seine Stadt Minas Tirith zurück ohne auf seine Königswürde zu pochen. Hier kümmert er sich schon mal um die Not der Menschen und betätigt sich sogar als Heiler. Eine alte Frau erkennt ihn nichtsahnend als König, als sie eine uralte Prophetie zitiert: „Die Hände des Königs sind die Hände eines Heilers.“
Bevor er in diese Stadt kam, ging er auf den „Pfaden der Toten“ und hat die dort Gefangenen in ihre Freiheit geführt. Als schließlich die letzte Schlacht geschlagen ist, kehrt er nach Minas Tirith zurück und wird endlich als König gefeiert.